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EK Dezember 2018

Eisenbahn-Kurier Dezember 2018

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Die Ericusbrücke in Hamburg

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ericusbruecke4Die Ericusbrücke. Im Hintergrund überquert ein metronom die Oberhafenbrücke.

11.03.2011: Die Ericusbrücke in der HafenCity hat in ihrer mehr als 140jährigen Geschichte auch eine bedeutende Rolle im Eisenbahnverkehr Hamburgs gespielt. Wir stellen dieses Kleinod ausführlich vor.

Wenn man heute mit dem Zug aus südlicher Richtung nach Hamburg kommt, die Norderelbbrücken passiert und auf der neuen „Pfeilerbahn“ schließlich die viergleisige Oberhafenbrücke erreicht, dann präsentieren sich auf der linken Seite die Neubauten der HafenCity, die den einstmals grandiosen Blick auf die Kulisse der Hamburger Speicherstadt verwehren. Der hier überquerte Oberhafen wird in Richtung Hafen von der Ericusspitze geteilt, auf der in jüngster Zeit die markanten Neubauten der Hamburger SPIEGEL-Gruppe entstanden sind. Rechts von diesen Neubauten geht der Oberhafen in den Zollkanal über, links in den Ericusgraben, der seinerseits dann im anschließenden Brooktorhafen mündet. Über diesen Ericusgraben ist vom Zug aus eine kleine unscheinbare Brücke zu sehen: die Ericusbrücke. Diese filigrane, ohne große Überbauten auskommende Konstruktion wollen wir in diesem Beitrag näher beleuchten, denn sie hat eine bemerkenswerte, mehr als 140jährige Geschichte hinter sich.

Erste Eisenbahnen in Hamburg

Am 16. Mai 1842 eröffnete die Hamburg-Bergedorfer Eisenbahn ihren Betrieb. Mit einer Streckenlänge von nur 16 km hatte sie zunächst nur lokale Bedeutung. Vier Jahre später wurde aber die Strecke von Bergedorf nach Berlin eröffnet, so dass die weiterführende Verbindung nach Hamburg nunmehr eine Fernverkehrsstrecke darstellte. Diese endete in der Hansestadt im Berliner Bahnhof in Hammerbrook am Deichtorplatz. Sie entwickelte sich alsbald zu einer der wichtigsten Verkehrsader Hamburgs. 

ericusbruecke6Der Berliner Bahnhof in Hamburg. Im Vordergrund wird ein Zug zum Hannoverschen Bahnhof überführt.

Im benachbarten Altona, damals noch zu Dänemark gehörend, war 1844 die Altona-Kieler Eisenbahn eröffnet worden, deren Anlagen sich vom Bahnhof an der Palmaille entlang der Bahnhofstraße bis zur Großen Bergstraße hinzogen. Ende des 19. Jahrhunderts entstand ein Neubau in Höhe der Großen Bergstraße, der in zwei Stufen dem Betrieb übergeben wurde. 

1865 wurde die Verbindung von Lübeck nach Hamburg fertiggestellt und 1872 schließlich wagte die Köln-Mindener Eisenbahn den Brückenschlag über die Süder- und Norderelbe. Ihre Strecke endete auf dem Großen Grasbrook im so genannten Venloer Bahnhof, der später als Hannoverscher Bahnhof bezeichnet wurde. 

Die Verbindungsbahn

Bereits 1845 hatte es Bestrebungen gegeben, die Altona-Kieler Eisenbahn mit der Berlin-Hamburger Eisenbahn durch eine Verbindungsbahn zu verknüpfen.  Es sollte aber noch 15 Jahre dauern, bis am 30. April 1860 Dänemark und Hamburg einen Staatsvertrag über den Bau einer Strecke von Altona nach Hamburg abschlossen. Bis 1864 wurden Trassenvorschläge geprüft, wobei die Wahl auf eine Strecke fiel, die im ehemaligen Stadtgraben bis zum Ferdinandstor verlief, dann über die Lombardsbrücke hinweg durch die Esplanade und durch den Botanischen Garten gebaut werden sollte. Pikanterweise führte Preußen zu jener Zeit Krieg gegen Dänemark, dessen Ausgang zur Folge hatte, dass Dänemark seine Besitztümer Schleswig und Holstein sowie Lauenburg verlor. Die AKE übernahm den Bau der Strecke, die am 16. Juli 1866 - also vor fast 145 Jahren - dem Personenverkehr übergeben wurde. 

ericusbruecke8Der Klosterthor-Bahnhof, rechts im Bild ist ein Zug aus Berlin zu sehen.

Der Bahnhof Klosterthor

Da die Gleise der Verbindungsbahn aufgrund beengter Platzverhältnisse nicht durch das Portal des Berliner Bahnhofs geführt werden konnten, mussten aus Altona eintreffende Züge über die Amsinckstraße hinweg am Bahnhofsgebäude vorbei auf das Gleisvorfeld geführt und von dort in die Bahnhofshalle zurückgedrückt werden. Da dieses Verfahren auf die Dauer wenig praktikabel erschien, wurde als Endpunkt der Verbindungsbahn in der Nähe des Berliner Bahnhofs der Bahnhof Klosterthor errichtet. Aus Altona und Schleswig-Holstein eintreffende Züge hielten auf der linken Bahnhofsseite und fuhren dann ohne einen weiteren Halt am Berliner Bahnhof in Richtung Berlin weiter. Nach Eröffnung des Hannoverschen Bahnhofs am Lohseplatz kam auch das Bedürfnis auf, Züge aus Schleswig-Holstein über den Hannoverschen Bahnhof nach Harburg und weiter nach Cuxhaven, Bremen oder nach Hannover zu führen. Die Berlin-Hamburger Eisenbahn hatte bereits kurz nach Eröffnung der Verbindungsbahn eine Güterzugstrecke vom Gleisvorfeld des Berliner Bahnhofs links am Gebäude vorbei, durch die Bahnhofstraße und über den Oberhafen hinweg zum Theerhof eröffnet. Im Verlauf dieser Güterzugstrecke befindet sich auch die Ericusbrücke.

ericusbruecke5Die Bahnhöfe im Zentrum Hamburgs: Links ist der Klosterthor-Bahnhof zu sehen, in der Bildmitte der Berliner Bahnhof und rechts der Hannoversche Bahnhof. Gut zu sehen die Gleisverbindung über die Ericusbrücke zum Hannoverschen Bahnhof.