LNVG: Neue Brennstoffzellen-Triebwagen von Alstom

x5IMG 5032 iLint ADie neuen Trieb­wa­gen der Bau­reihe 654. Foto: Alstom

Der Zug der Zukunft wird von Wasser­stoff angetrieben, fährt kom­plett emis­sions­frei und wird zuerst in Nieder­sach­sen den Per­so­n­en­verkehr aufnehmen. Pro­duziert wird der „Cora­dia iLint“ vom Schienen­fahrzeug­bauer Alstom für die Lan­desnahverkehrs­ge­sellschaft Nieder­sach­sen (LNVG). Ins­ge­samt 14 Brennstoffzellen-Züge wer­den im Werk Salzgit­ter gefer­tigt und sollen ab Dezem­ber 2021 Reisende zwis­chen Cux­haven, Bre­mer­haven, Bremervörde und Bux­te­hude befördern. Sie erset­zen dort die Diesel­trieb­wa­gen der Elbe-Weser-Verkehrsbetriebe (evb) und reduzieren den Schadstoff-Ausstoß im täglichen Betrieb auf Null. Die Ver­sorgung der Züge mit Wasser­stoff wird über eine eigene Tankstelle von der Linde Group sichergestellt. Rund 1.000 Kilo­me­ter kann der iLint mit einer Tankfüllung zurücklegen, bei Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 140 Km/h.

Die Verträge über die Liefer­ung der 14 Brennstoffzellen-Züge sowie für ihre 30-jährige Instand­hal­tung und Energiev­er­sorgung wur­den von den Geschäftsleitungen der LNVG, Alstom und Linde Anfang Novem­ber vor der Presse in Wolfs­burg unterze­ich­net. Nieder­sach­sens Wirtschafts– und Verkehrsmin­is­ter Olaf Lies hatte zur Unterze­ich­nung am Rande der Verkehrsminister-Konferenz ein­ge­laden. So kon­nten sich die Ressortkol­le­gen einen eige­nen Ein­druck vom Pro­to­typen des Cora­dia iLint ver­schaf­fen, der gemein­sam mit einem zweiten Exem­plar im Frühjahr 2018 den Pilot­be­trieb im evb-Netz aufnehmen wird.

Das niedersächsische Verkehrsmin­is­terium unterstützt die Anschaf­fung der 14 Brennstoffzellen-Züge mit rd. 81,3 Mil­lio­nen (Mill.) Euro. Verkehrsmin­is­ter Olaf Lies überreichte den bei­den LNVG-Chefs Hans-Joachim Menn und Klaus Hoffmeis­ter in Wolfs­burg einen entsprechen­den Förderbescheid. Die Lan­destochter erwirbt die Cora­dia iLint für den eige­nen Fahrzeug­pool und ver­mi­etet sie anschließend an ein Bah­nun­ternehmen. Instandge­hal­ten wer­den die Brennstoffzellen-Züge von Alstom in der evb-eigenen Werk­statt in Bremervörde, die für diese Zwecke erweit­ert wird.

Verkehrsmin­is­ter Olaf Lies sagte: „Ab jetzt gibt es im nicht elek­tri­fizierten Schienen­verkehr eine echte Alter­na­tive zum Diesel­be­trieb. Wasser­stoff und Brennstof­fzellen sind eine ide­ale Kom­bi­na­tion für Kli­maschutz, Energie– und Verkehr­swende. Sie ermöglichen das Spe­ich­ern von Energie und emis­sions­freies Bah­n­fahren. Wir fördern inno­v­a­tive Tech­nolo­gien und leis­ten einen nach­halti­gen Beitrag zur Energiewende im Verkehrssek­tor. Es freut mich, dass Alstom die Züge in Nieder­sach­sen baut und den Pro­duk­tion­s­stan­dort in Salzgit­ter weiter stärkt“.

Enak Fer­le­mann, Par­la­men­tarischer Staatssekretär im Bun­desmin­is­terium für Verkehr und dig­i­tale Infra­struk­tur (BMVI) erklärte: „Emis­sions­frei, energieef­fizient und kostengünstig – Trieb­wa­gen mit Brennstof­fzel­lenantrieb sind eine umwelt­fre­undliche Alter­na­tive zu Diesel­loko­mo­tiven. Um den Wirtschafts– stan­dort Nieder­sach­sen zu stärken, wollen wir rd. 8,4 Mil­lio­nen Euro in die Hand nehmen und das Vorhaben der LNVG unterstützen. Die Mit­tel sollen aus dem Nationalen Inno­va­tion­spro­gramm für Wasser­stoff und Brennstoffzellen-Technologie, kurz NIP 2, bere­it­gestellt wer­den.“

Menn und Hoffmeis­ter, deren Gesellschaft zwis­chen Nord­see und Harz den Region­alverkehr auf der Schiene organ­isiert und dafür jährlich knapp 300 Mill. Euro Steuergelder aus­gibt, unter­strichen bei der Ver­trags– unterze­ich­nung: „Die Brennstoffzellen-Technologie hat gute Chan­cen, sich in Deutsch­land in den nächsten 1015 Jahren durchzuset­zen; Die­selfahrzeuge wer­den mehr und mehr vom Markt verdrängt“, skizzieren beide die Zukunft des Eisen­bah­n­verkehrs.

x50058ADDB6D 3971 44F6 BC53 D5761020895ADer 654 101 wurde erst­mals auf der Inno­trans in Berlin gezeigt. Foto: Dierk Lawrenz

Gian Luca Erbacci, Senior Vice Pres­i­dent für Europa bei Alstom, sagte in Wolfs­burg: „Dieser Tag ist ein echter Durch­bruch im Schienen­verkehr und ein großer Schritt für eine Veränderung hin zu umwelt­fre­undlichen Mobilitätssystemen. Weltweit ist es das erste Mal, dass ein wasser­stoff­be­triebener Region­alzug einen Dieselzug ersetzt. Ohne jegliche Emis­sion erre­icht er die gle­iche Leis­tung wie ein nor­maler Region­alzug bei einer Reich­weite von 1.000 km. Alstom ist sehr stolz, seinen Cora­dia iLint in Salzgit­ter, Nieder­sach­sen, entwick­elt zu haben. Wir sind der deutschen Bun­desregierung und der niedersächsischen Lan­desregierung dankbar für ihre durchgängige Unterstützung und das Ver­trauen in Alstoms hohe Innovationsfähigkeit“.

Die Gewährleistung einer verlässlichen und sicheren Energiev­er­sorgung ist eine der Voraus­set­zun­gen für den erfol­gre­ichen Ein­satz von Brennstoffzellen-Zügen. Der Tech­nolo­giekonz­ern The Linde Group, eines der weltweit führenden Gase– und Engi­neeringun­ternehmen, wird die Wasser­stof­fver­sorgung für die neuen Brennstoffzellen-Züge übernehmen und hierfür die weltweit erste Wasserstoff-Tankstelle für Züge in Bre­mer– vörde errichten und betreiben. Die Investi­tion­skosten hierfür wer­den auf rd. 10 Mill. Euro ver­an­schlagt und vom Bund gefördert. Das Grundstück für die Tankstelle wird die LNVG bei der evb anmi­eten und der Linde AG zur Verfügung stellen, die sich auch um die Betriebs– und Bau­genehmi­gung kümmert. In einer späteren Pro­jek­t­phase ist vor Ort die Pro­duk­tion von Wasser­stoff per Elek­trol­yse und mith­ilfe von Winden­ergie geplant.

Bernd Eulitz, Mit­glied des Vor­stands der Linde AG, betonte: „Die Ver­wen­dung von Wasser­stoff für Schienen– fahrzeuge ist ein Meilen­stein in der Anwen­dung der Brennstof­fzelle für den emis­sions­freien Verkehr.
Zum ersten Mal wird in sig­nifikan­tem Umfang und wirtschaftlich tragfähig die Sek­torenkop­plung mit der Wasserstoff-Infrastruktur umge­setzt. Diese Entwick­lung wird den Auf­bau einer Wasserstoff-Gesellschaft vorantreiben und neue Lösungen für das Spe­ich­ern und Trans­portieren von Energie her­vor­brin­gen. Wir sind stolz, Teil dieses Inno­va­tion­spro­jekts zu sein.“

x5Alstom First contract signature 3Die Präsen­ta­tion des neuen Trieb­wa­gens in Wolfs­burg am 9.11.2017. Foto: Alstom

Quelle: LNVG / Alstom