Siemens und Alstom wollen gemein­sam europäis­chen Cham­pion für Mobil­ität­slö­sun­gen schaf­fen

x MG 9522Der ICE 4 gehört zu den Spitzen­pro­duk­ten aus dem Haus Siemens. Foto: Dierk Lawrenz

Siemens und Alstom haben am 26.9.2017 eine Absicht­serk­lärung über die Zusam­men­le­gung des Mobil­itäts­geschäfts von Siemens, ein­schließlich der Sparte Bah­nantriebe, mit Alstom unterze­ich­net. Die Transak­tion vere­int zwei inno­v­a­tive Unternehmen der Bah­nin­dus­trie mit einzi­gar­tigem Kun­den­mehrw­ert und oper­a­tivem Poten­zial. Beide Geschäfte ergänzen sich im Hin­blick auf ihre Aktiv­itäten und geografis­chen Stan­dorte weit­ge­hend. Siemens wird neu aus­gegebene Anteile am zusam­mengeschlosse­nen Unternehmen in Höhe von 50 Prozent des Grund­kap­i­tals von Alstom auf voll­ständig ver­wässerter Basis erhal­ten.

Dieser deutsch-französische Zusam­men­schluss unter Gle­ichen sendet in viel­er­lei Hin­sicht ein starkes Sig­nal. Wir set­zen die europäis­che Idee in die Tat um und schaf­fen gemein­sam mit unseren Fre­un­den bei Alstom auf lange Sicht einen neuen europäis­chen Cham­pion der Eisen­bah­nin­dus­trie. Unsere Kun­den in aller Welt erhal­ten dadurch ein inno­v­a­tiveres und wet­tbe­werb­sstärk­eres Ange­bot“, sagte Joe Kaeser, Vor­standsvor­sitzen­der der Siemens AG. „Der Welt­markt hat sich in den ver­gan­genen Jahren erhe­blich gewan­delt. Ein mark­t­be­herrschen­der Akteur in Asien hat die glob­ale Mark­t­dy­namik verän­dert. Gle­ichzeitig wird die Dig­i­tal­isierung die Zukunft der Mobil­ität prä­gen. Gemein­sam kön­nen wir ein bre­it­eres Ange­botsspek­trum anbi­eten und diese Trans­for­ma­tion für unsere Kun­den, Mitar­beiter und Aktionäre auf ver­ant­wor­tungsvolle und nach­haltige Weise vorantreiben“, ergänzte Kaeser.

Heute ist ein Schlüs­sel­mo­ment in der Geschichte von Alstom, der die Stel­lung des Unternehmens als Plat­tform für die Kon­so­li­dierung des Bahnsek­tors unter­mauert. Mobil­ität bildet den Kern der Her­aus­forderun­gen in der Welt von heute. Fakt ist, die Verkehrsträger der Zukunft wer­den sauber und wet­tbe­werb­s­fähig sein. Dank der glob­alen Reich­weite des Zusam­men­schlusses von Alstom und Siemens Mobil­ity über alle Kon­ti­nente hin­weg, seines Umfangs, des tech­nol­o­gis­chen Know-hows sowie der einzi­gar­ti­gen Posi­tion­ierung im Bere­ich des dig­i­talen Verkehrs wer­den den Kun­den und let­ztlich allen Men­schen intel­li­gen­tere und effizien­tere Sys­teme bere­it­gestellt, um die Mobil­ität­sher­aus­forderun­gen der Städte und Län­der zu bewälti­gen. Durch die Zusam­men­führung der erfahre­nen Teams, der sich ergänzen­den geografis­chen Stan­dorte und inno­v­a­tiven Kom­pe­ten­zen von Siemens Mobil­ity mit unseren wird das neue Unternehmen Wertschöp­fung für Kun­den, Mitar­beiter und Aktionäre bieten“, erk­lärte Henri Poupart-Lafarge, Vor­standsvor­sitzen­der von Alstom SA. „Ich bin beson­ders stolz darauf, die Schaf­fung eines solchen Konz­erns zu leiten, der zweifel­los die Zukunft der Mobil­ität prä­gen wird.“

x2012 DSC00308aDie TGV-Züge sind die Best­seller aus dem Haus Alstom. Foto: Karl Ram­seier

Das neue Unternehmen hat einen Auf­trags­be­stand von 61,2 Mil­liar­den Euro, erwirtschaftet einen Umsatz von 15,3 Mil­liar­den Euro, ein bere­inigtes EBIT in Höhe von 1,2 Mil­liar­den sowie eine bere­inigte EBIT-Marge von 8,0 Prozent. Diese Angaben basieren auf Infor­ma­tio­nen aus den let­zten Jahresab­schlüssen von Alstom und Siemens. In dieser neuen Auf­stel­lung rech­nen Siemens und Alstom mit jährlichen Syn­ergien von 470 Mil­lio­nen Euro spätestens im vierten Jahr nach dem Clos­ing und zie­len auf einen Mit­telzu­fluss bei Clos­ing zwis­chen 0,5 Mil­liar­den Euro und 1 Mil­liarde Euro ab. Der Haupt­sitz sowie die Geschäfts­führung der Sparte Schienen­fahrzeuge wer­den im Großraum Paris ange­siedelt sein. Das neu formierte Unternehmen wird weit­er­hin in Frankre­ich notiert sein. Berlin wird zen­traler Fir­men­sitz der Sparte Mobil­ität­slö­sun­gen. Ins­ge­samt wird das neue Unternehmen 62.300 Beschäftigte in mehr als 60 Län­dern zählen.

Im Rah­men des Zusam­men­schlusses erhal­ten Alstoms Bestand­sak­tionäre am Vor­abend des Closing-Tages zwei Son­der­div­i­den­den: eine unmit­tel­bar nach Clos­ing gezahlte Kon­troll­prämie von 4,00 Euro pro Aktie (Gesamt­summe 0,9 Mil­liar­den Euro) sowie eine außeror­dentliche Div­i­dende von bis zu 4,00 Euro je Aktie (Gesamt­summe 0,9 Mil­liar­den Euro), die Alstom aus dem Erlös der Ausübung seines Put-Optionsrechts für die Joint Ven­tures mit Gen­eral Elec­tric in Höhe von ca. 2,5 Mil­liar­den Euro – vor­be­haltlich seiner Liq­uid­ität­slage – zahlt. Siemens wird Bezugsrechte zur Akqui­si­tion von Alstom-Aktien in Höhe von zwei Prozent­punk­ten des Grund­kap­i­tals erhal­ten, die früh­estens vier Jahre nach dem Clos­ing aus­geübt wer­den kön­nen.

Die Geschäft­sak­tiv­itäten der bei­den Unternehmen ergänzen sich weit­ge­hend. Das zusam­mengeschlossene Unternehmen wird ein stark erweit­ertes und breit gefächertes Pro­dukt– und Lösungsspek­trum anbi­eten, das kostengün­stige Plat­tfor­men für den Massen­markt sowie Spitzen­tech­nolo­gien umfasst, um die vielfälti­gen kun­den­spez­i­fis­chen Anforderun­gen zu erfüllen. Die glob­ale Präsenz eröffnet dem neuen Unternehmen den Zugang zu Wach­s­tumsmärk­ten im Nahen und Mit­tleren Osten sowie Afrika, Indien, Mit­tel– und Südamerika, wo Alstom vertreten ist, sowie in China, den USA und Rus­s­land, wo Siemens tätig ist. Die Kun­den wer­den in hohem Maße von einer aus­ge­wo­ge­nen größeren geografis­chen Präsenz, einem umfassenden Ange­botsspek­trum und umfan­gre­ichen Investi­tio­nen in dig­i­tale Dien­stleis­tun­gen prof­i­tieren. Die Bün­delung des Know-hows und der Inno­va­tion­skraft bei­der Unternehmen wird entschei­dende Inno­va­tio­nen, Kosten­ef­fizienz und eine schnellere Reak­tions­fähigkeit vorantreiben, die es dem neuen Unternehmen ermöglichen, besser auf die Bedürfnisse der Kun­den einzuge­hen.

Der Ver­wal­tungsrat des zusam­mengeschlosse­nen Unternehmens wird aus elf Mit­gliedern beste­hen. Sechs Mit­glieder inklu­sive des Vor­sitzen­den wer­den von Siemens entsendet. Vier unab­hängige Mit­glieder und der CEO kom­plet­tieren das Gremium. Um die Kon­ti­nu­ität der Unternehmensführung sicherzustellen, wird Henri Poupart-Lafarge als CEO das Unternehmen weit­er­führen und zum Ver­wal­tungsrat gehören. Jochen Eick­holt, CEO von Siemens Mobil­ity, wird eine zen­trale Rolle in dem zusam­mengeschlosse­nen Unternehmen übernehmen, das unter dem Namen Siemens Alstom fir­mieren wird.

Die geplante Transak­tion wird vom Alstom-Verwaltungsrat (bezugnehmend auf einen Review-Prozess zur Vor­bere­itung der Transak­tion durch den als Ad-hoc-Ausschuss fungieren­den Prü­fungsauss­chuss) sowie vom Siemens-Aufsichtsrat ein­stim­mig befür­wortet. Bouygues SA unter­stützt die Transak­tion vol­lum­fänglich und wird im Ver­wal­tungsrat von Alstom sowie auf der außeror­dentlichen Alstom-Hauptversammlung, die zur Abstim­mung über diese Transak­tion vor dem 31. Juli 2018 stat­tfinden muss, im Ein­klang mit der Entschei­dung des Alstom-Vorstands für den Zusam­men­schluss stim­men. Der franzö­sis­che Staat unter­stützt diese Transak­tion eben­falls unter der Prämisse von bes­timmten Zusagen von Siemens, dazu zählt eine Still­hal­tev­erpflich­tung in Höhe von 50,5 Prozent am Grund­kap­i­tal von Alstom über einen Zeitraum von vier Jahren nach dem Clos­ing sowie bes­timmte Governance-, Organ­i­sa­tions– und Beschäf­ti­gungss­chutzmech­a­nis­men. Der franzö­sis­che Staat bestätigt, dass die Anleihe von Alstom-Aktien seit­ens der Bouygues gemäß ihren Laufzeiten nicht später als 17. Okto­ber 2017 gekündigt wird, und dass die von Bouygues gewährten Option­srechte nicht aus­geübt wer­den. Bouygues hat sich verpflichtet, seine Anteile bis zur außeror­dentlichen Hauptver­samm­lung, die über die Transak­tion entschei­det, oder spätestens bis zum 31. Juli 2018 zu behal­ten.

x52015 DSCII 04617aa KopieDB und SNCF fahren mit Zügen von Siemens (ICE) und Alstom (TGV). Foto (Paris Ost­bahn­hof): Karl Ram­seier

Alstom und Siemens wer­den gemäß franzö­sis­chem Recht die Unter­rich­tung und Kon­sul­ta­tion der Betrieb­sräte in Frankre­ich vor Unterze­ich­nung der Transak­tions­doku­mente anstoßen. Sollte Alstom die Transak­tion nicht weit­er­führen, wird eine Ver­tragsstrafe in Höhe von 140 Mil­lio­nen Euro fäl­lig. Die Transak­tion wird in Form einer Sachein­lage des Siemens-Mobility-Geschäfts ein­schließlich seiner Bah­nantrieb­ss­parte an Alstom gegen neu aus­gegebene Alstom-Aktien erfol­gen. Sie unter­liegt der Zus­tim­mung der Alstom-Aktionäre – auch zu Zwecken der Aufhe­bung von Dop­pel­stimm­rechten, die im zweiten Quar­tal 2018 erwartet wer­den, der Freigabe durch die zuständi­gen Reg­ulierungs­be­hör­den, ein­schließlich der Freigabe aus­ländis­cher Investi­tio­nen in Frankre­ich und des Kartel­lamts, sowie der Bestä­ti­gung durch die franzö­sis­che Finanz­mark­tauf­sicht (AMF), dass Siemens nach Vol­lzug der Fusion kein Pflich­tange­bot abgeben muss. Das Clos­ing wird für Ende des Kalen­der­jahres 2018 erwartet.

Quelle: Alstom / Siemens