VDMT: Abschied von Gün­ther Stein­hauer

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Am 21. Juli 2017 ver­starb der Vor­sitzende des VDMT, Gün­ther Stein­hauer (64), nach kurzer schw­erer Krankheit. Mit ihm ver­liert die Muse­ums­bahn­szene einen ihrer bedeu­tend­sten Vertreter.

Sein tech­nis­ches und betriebliches Fach­wis­sen über alle Spur­weiten hin­weg war ungewöhn­lich und in Eisen­bah­n­erkreisen anerkannt. Von den meis­ten Muse­um­seisen­bah­n­ern unter­schied ihn jedoch sein anhal­tendes Engage­ment über seine Self­kant­bahn hin­aus für die Muse­ums­bahn­szene in Deutsch­land. Sein ganzes Muse­ums­bah­n­er­leben lang hat er einen Beitrag für alle geleis­tet. Stand er der Grün­dung eines eige­nen Muse­ums­bah­n­ver­ban­des anfangs skep­tisch gegenüber, hat er dann auf Grund­lage besserer Erken­nt­nis die Grün­dung des VDMT unter­stützt und anschließend viele Jahre den Arbeit­skreis Fahrzeugtech­nik im Ver­band geleitet. Seit 1999 war er stel­lvertre­tender Vor­sitzen­der des Ver­ban­des und seit 2012 diente er ihm als Vor­sitzen­der.

Darin charak­ter­isiert sich auch ein Wesen­szug seiner Per­son, die sich kaum vom Enthu­si­as­mus der Eisen­bah­n­fre­unde anstecken ließ, son­dern stets einen kri­tisch kon­struk­tiven Blick auf die Sache richtete und aus dem, was er sah, sich stets auch eine bessere Mei­n­ung bilden kon­nte. Dabei war ihm auch die Beach­tung kle­in­ster Details stets wichtig. In meiner Zeit als VDMT-Vorsitzender war mir seine Sicht auf die Dinge stets wichtig, um daran zu messen, ob wir mit unseren Vorhaben wohl auf dem richti­gen Weg sind.

Grund­lage für sein Engage­ment war seine Liebe zur Muse­um­seisen­bahn, die ihm Beru­fung und bei seiner Self­kant­bahn auch Beruf und Lebenswerk war. Seit Anfang der siebziger Jahre, also fast noch ein Muse­um­seisen­bah­ner der ersten Stunde, hat er sich für diese kleine Bahn im äußer­sten Westen Deutsch­lands engagiert und schließlich als einer der weni­gen pro­fes­sionellen Muse­um­seisen­bah­ner dort auch sein ganzes Beruf­sleben ver­bracht. Es ist nicht zum gerin­gen Teil Gün­ther Stein­hauer zu ver­danken, dass es sich bei der Self­kant­bahn heute um einen der mod­ern­sten Muse­ums­bahn­be­triebe in unserem Land han­delt. Wobei mod­ern sich auf das Unternehmen bezieht, durch welches Eisen­bah­ngeschichte und eine hochw­er­tige Samm­lung an Fahrzeu­gen ver­mit­telt wird.

Dass er bei aller Lei­den­schaft für die his­torische Eisen­bahn nicht in deren Ver­gan­gen­heit gelebt hat, son­dern sich als VDMT-Vorsitzender auch mit der Frage nach der Zukunft der Muse­ums­bah­nen in der Gesellschaft beschäftigte, zeigte sich zuletzt am 1. Juni bei einem Run­den Tisch anlässlich der Jubiläumsver­anstal­tung der Museums-Eisenbahn Min­den „40 Jahre MEM und wie weiter?“. Er sah die Muse­ums­bah­nen nach 50 Jahren vor der Her­aus­forderung, das sich fast auss­chließlich auf ehre­namtliche Arbeit stützende Mod­ell dem gesellschaftlichen Wan­del anzu­passen. Dem Rück­gang an frei­williger Mitar­beit steht ein zunehmend kom­plex­eres rechtliches Umfeld gegenüber, das immer mehr Arbeit für nicht eisen­bah­ner­ische Tätigkeiten absorbiert, für die Ehre­namtliche kaum zu motivieren sind. Als Lösung sah er hier eine teil­weise Semi– oder Voll­pro­fes­sion­al­isierung der Bah­nen. Ob er damit richtig lag, wird er nun lei­der nicht mehr erleben.

Mit Anerken­nung und Dankbarkeit ver­ab­schieden sich der Vor­stand und die Kol­le­gen des VDMT von Gün­ther Stein­hauer. Viele ver­lieren mit ihm auch einen Fre­und. Sein Andenken lebt in den Muse­ums­bah­nen und den vie­len, die von ihm per­sön­liche Unter­stützung erfahren durften, fort.

Heimo Echensperger