Vor 80 Jahren: Erster Regelverkehr mit Culemeyer-Straßenrollern

Johann Hein­rich Theodor Friedrich (genannt „Hans“) Cule­meyer kam am 16. Sep­tem­ber 1883 in Han­nover als Sohn des Kauf­manns Otto Cule­meyer zur Welt. Nach dem Schulbe­such und Beendi­gung des Mil­itär­di­en­stes ging er 1903 zur Tech­nis­chen Hochschule in Han­nover, wo er 1908 seinen Abschluss als Dipl.-Bauingenieur bekam. Nach einer drei­jähri­gen Praxis bei der Eisen­bah­ndi­rek­tion Han­nover und einer fol­gen­den Aus­bil­dung als Streck­en­baumeis­ter wurde er 1921 Regierungs­bau­rat. Nach einem weit­eren Studium an der Tech­nis­chen Hochschule in Berlin kam er zum Reichsbahn-Zentralamt in Berlin, wo er 1927 zum Dez­er­nent für Son­dergüter­wa­gen berufen wurde.

Als Ober­bau­rat beschäftigte er sich nach 1930 ins­beson­dere mit der Weit­er­en­twick­lung von so genan­nten „Schienen-Straßen-Wagen“ und meldete seinen Straßen­roller als „Fahrbares Anschluß­gleis“ am 29. Sep­tem­ber 1931 zum Patent an. Die Reichs­bahn stellte diese Fahrzeuge, ihre Funk­tio­nen und mit ihnen möglichen Über­lade­vorgänge für Schienen­fahrzeuge 1933 auf dem Anhal­ter Güter­bahn­hof in Berlin öffentlich vor.

Culemeyer-DRG-S-030Das klas­sis­che Ges­pann für den Regelverkehr war in der Frühzeit der zweit­eilige, 16-rädrige Straßen­roller mit der Zug­mas­chine Z6R/1. Ein hoch beladener R-Wagen ist hier auf einem solchen Ges­pann in einer Auf­nahme von 1934 im nieder­rheinis­chen Viersen zu sehen. Foto: Bil­darchiv Eisen­bahn­s­tiftung (Bild 32 im Buch)

Culemeyer2Ent­ladung eines Wag­gons mit Bana­nen in der Neuen Friedrich­straße in Berlin.

Culemeyer-DRG-S-093Bei einer Papier­fab­rik in Öster­re­ich sind hier Anfang der vierziger Jahre des vorigen Jahrhun­derts zwei mit Holz beladene Om-Wagen auf Abset­z­gleisen zu sehen. Bemerkenswert am Heck der links zu sehen­den Zug­mas­chine sind die bei­den nach hin­ten gerichteten Cabriositze, die für mit­fahren­den Begleit­per­so­nen vorge­se­hen waren.
Foto: Bil­darchiv der Eisen­bahn­s­tiftung (Bild 133 im Buch)

In den Fol­ge­jahren entwick­elte Cule­meyer ver­schiedene Bauar­ten  von Straßen­fahrzeu­gen, die für unter­schiedlich­ste Anforderun­gen der Indus­trie, sei es zum Trans­port von Loko­mo­tiven, Wag­gons, Lastkäh­nen und schw­eren Indus­triepro­duk­ten (z.B. Trans­for­ma­toren) geeignet waren.

Culemeyer3Trans­port einer Loko­mo­tive der Bau­reihe 03 auf Culemeyer-Straßenrollern.

Culemeyer4

Culemeyer5Ein selb­st­fahren­der, ausziehbarer Culemeyer-Straßenroller ist hier in Nürn­berg unter­wegs und macht mit großen Schildern am beförderten Wag­gon auf eine Ausstel­lung aufmerk­sam.

culemeyerkipperEine beson­dere Weit­er­en­twick­lung war der bis zu 50 Grad kipp­bare Culemeyer-Straßenroller, der mit Schüttgütern (z.B. Kohlen, Sand) beladene Wag­gons schnell ent­laden kon­nte.
Nach dem Krieg set­zte Cule­meyer seine Entwick­lun­gen in Zusam­me­nar­beit mit der Indus­trie, u.a. mit der Wag­gon­fab­rik Uerdin­gen fort, bevor er 1951 im Alter von nur 67 Jahren ver­starb. Das klas­sis­che Culemeyer-Fahrzeug, der mit vier oder mehr Achsen (zum Teil auch mit nebeneinan­der liegen­den Dop­pelach­sen) aus­ges­tat­tete, mit Schienen­fahrzeu­gen befahrbare und von Zug­maschi­nen gezo­gene Fahrzeu­grah­men, hielt sich noch bis in die achtziger Jahre des vorigen Jahrhun­derts. Er ermöglichte den Trans­port der „Eisen­bahn ins Haus“, wie ein 1939 von Cule­meyer selbst ver­fasstes Werk betitelt wird. Der Empfänger von Wag­gonladun­gen, sofern er diese denn nicht am Bahn­hof ent­laden wollte, kon­nte danach bei der Reichs­bahn und nach dem Krieg bei der DB den Weit­er­trans­port des Wag­gons zu sich vor die Haustür bestellen und diesen dort dann direkt in das eigene Lager ent­laden. Hier­bei wurde ein Umlade­vor­gang und ggf. der Ein­satz eigener Straßen­fahrzeuge ges­part, auch damals schon in der Preiskalku­la­tion wichtige Kosten­fak­toren. Heute ist die Culemeyer-Idee durch den Con­tain­er­trans­port längst Real­ität gewor­den. Mit diesen Behäl­tern wird die durchge­hende Trans­portkette vom Liefer­an­ten in Übersee bis zum Lager des Kun­den im Inland gewährleis­tet, wobei der Con­tainer dank weltweit genormter Abmes­sun­gen gle­icher­maßen von Schif­fen, LKW und der Eisen­bahn befördert wird. Ins­ge­samt sind derzeit mehr als 28 Mil­lio­nen Stan­dard­con­tainer über­all auf der Welt im Ein­satz.

(Hin­weis: Nicht alle Auf­nah­men dieses Beitrages sind im Buch „Culemeyer-Fahrzeuge“ enthal­ten.)

Unser Tipp zum Weit­er­lesen:
culimeier

Einen Blick ins Buch präsen­tieren wir Ihnen unter diesem Link.

Der mit 144 Seiten im For­mat 300 x 210 mm und mit 220 Schwarzweiß­fo­tos in teil­weise gestoch­ener Bril­lanz aus­ges­tatte Band ist eine Fund­grube gle­icher­maßen für Eisenbahn-, Schwerlast-, Nutz­fahrzeug– und Mod­ell­bah­n­fre­unde. Er ist sofort liefer­bar und in guten Buch­hand­lun­gen erhältlich sowie unter der Bestell­num­mer 242 im EKshop.de für nur € 35,–.