Seit 30 Jahren ist die Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG) für den Regionalverkehr auf der Schiene in weiten Teilen des Landes verantwortlich. Mit modernen Zügen und dichteren Takten wurde die Arbeit der LNVG zu einem Erfolg für die Fahrgäste.
• Zahl der Fahrgäste seit 1996 von 69 auf über 132 Millionen im Jahr gestiegen
• 27 Bahnhöfe neu gebaut, 268 modernisiert
• Einsatz autonomer Züge ab 2029
Hannover, den 19.05.2026. Die Zukunft kam rund um Osnabrück ins Rollen – hier fuhren Ende des Jahres 2000 die ersten eigenen Züge der Landesnahverkehrsgesellschaft Niedersachsen (LNVG). Alte Fahrzeuge der Deutschen Bahn verschwanden, die NordWestBahn ging im Auftrag der LNVG mit zunächst 23 modernen Triebzügen auf die Strecke. „Die DB hatte überlegt, dort Verbindungen zu streichen“, sagt Carmen Schwabl, Sprecherin der LNVG-Geschäftsführung. „Mit den neuen Zügen war die fehlende Nachfrage kein Thema mehr – die Nachfrage wächst dort bis heute.“
Ganz große Politik führte 1996 zur Gründung der LNVG. Nach der deutschen Vereinigung ordnete der Bund die Bahnlandschaft neu: Deutsche Bundesbahn und Deutsche Reichsbahn wurden zur Deutschen Bahn. Dann wurde die Verantwortung für den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) den Bundesländern übertragen. Abgesehen von der Region Hannover und dem Gebiet des Zweckverbandes Großraum Braunschweig plant, bestellt und bezahlt die LNVG die Nahverkehrsfahrten der Bahngesellschaften im Land.
427 eigene Lokomotiven, Wagen und Triebzüge im blau-weiß-gelben Design
427 blau-weiß-gelbe Lokomotiven, Wagons und Triebzüge prägen heute das Bild der Nahverkehrszüge in Niedersachsen. „Sie sind die sichtbarsten Zeichen unserer Arbeit“, sagt Schwabl. Die Fahrzeuge gehören der LNVG, sie vermietet sie an die Bahnunternehmen. Die LNVG war der erste Aufgabenträger in Deutschland, der einen Pool eigener Fahrzeuge aufgebaut hat. „So konnten wir schneller für moderne Züge sorgen als viele andere Aufgabenträger, die keine eigenen Züge hatten“, erläutert Schwabl.
Dieser Fahrzeugpool der LNVG macht es außerdem möglich, dass sich auch Bahnunternehmen auf Netze in Niedersachsen bewerben, denen keine Fahrzeuge gehören. „Das hat sich bewährt. Es belebt den Wettbewerb – und das hat dazu geführt, dass wir in den vergangenen Jahrzehnten viele Millionen Euro Steuergelder gespart haben“, sagt Schwabl. „Dieses gesparte Geld konnten wir für mehr Zugfahrten, Erneuerung von Bahnhöfen oder andere Projekte investieren.“
Technische Innovationen
Mit den eigenen Fahrzeugen setzt die LNVG Akzente: Bei den Eisenbahnen und Verkehrsbetrieben Elbe-Weser rund um Bremervörde rollen die ersten Wasserstoffzüge der Welt. Nach 2040 werden für die LNVG nur noch Züge unterwegs sein, die kein CO2 mehr ausstoßen, also Wasserstoff-, Batterie- und Elektrofahrzeuge. Die ersten Züge mit Batterie sollen ab 2031 rollen. 2027 sollen auf dem Express-Kreuz Bremen/Niedersachsen erstmals Doppelstockzüge auf die Strecke gehen, die vom Bahnsteig aus ohne Stufe betreten werden können. Und: Zwei Triebzüge der LNVG sind bereits dafür ausgerüstet führerlos auf die Strecke zu gehen. „Wir werden sie ab Dezember 2029 auf der Strecke Lüneburg – Dannenberg Ost einsetzen. Im täglichen Betrieb werden noch eine gewisse Zeit Triebfahrzeugführerinnen und Triebfahrzeugführer das System überwachen und Erfahrung sammeln. Später wird sich das Personal an Bord auf Service für die Fahrgäste konzentrieren können. Für Strecken im sehr ländlichen Raum sind autonome Züge eine echte Chance, das Angebot zu sichern.“
Plan für die Zukunft: 240 Millionen Fahrgäste nach 2040
1996 waren in Niedersachsen rund 69 Millionen Fahrgäste im Nahverkehr mit der Eisenbahn unterwegs. 2024 waren es 132 Millionen, davon 102 Millionen im Gebiet der LNVG. Dafür haben dichtere Takte und schnellere Züge gesorgt. Seit Gründung der LNVG wurden 27 Bahnhöfe wiedereröffnet oder neu gebaut, 268 Bahnhöfe wurden mit Unterstützung der LNVG modernisiert. Derzeit gibt es 382 Stationen, 80 Prozent von ihnen sind barrierefrei. Rund 600 Millionen Euro bezahlt die LNVG pro Jahr an die Bahngesellschaften für die Fahrten im Land.
In der LNVG-Geschichte sticht die Corona-Pandemie heraus. „Wir haben keine Züge abbestellt und der Großteil der Züge ist planmäßig gefahren“, betont Schwabl. „Uns war sehr wichtig, dass die Fahrgäste, die auf die Züge angewiesen waren, sich auf die Fahrten verlassen konnten.“
Nach 30 Jahren hat die LNVG Pläne für die Zukunft. Schwabl: „Wir halten für die Zeit nach 2040 landesweit 240 Millionen Fahrgäste pro Jahr für realistisch, im LNVG-Gebiet 180 Millionen. Dafür wollen wir längere Züge einsetzen und Takte verdichten.“ Dafür sei wichtig, dass der Bund das Streckennetz auf Vordermann bringe und Bahnhöfe ausbaue. Auch wenn sich technisch in dieser Zeit einiges verändern werde, ist Schwabl sicher: „Das Ziel unserer Arbeit wird sich nicht ändern. Wir verbinden Menschen.“
Mehr als Züge – die LNVG investiert und gestaltet - Fünf Milliarden Euro Förderung
Seit der Auflösung der Bezirksregierungen in Niedersachsen im Jahr 2005 ist die LNVG unter anderem auch Aufsichts- und Genehmigungsbehörde für Bus- und Stadtbahnlinien. Sie wickelt außerdem Zahlungen und Fördermaßnahmen für den Öffentlichen Personenverkehr (ÖPNV) und SPNV in Niedersachsen ab. „Wenn wir in diesen Bereichen keine gute Arbeit leisten würden, würden kein Linienbus und keine Straßenbahn fahren“, sagt der zuständige Geschäftsführer Christian Berndt. Auch für die MOBILOTSIN, eine Beratungseinheit für neue Mobilität, ist er verantwortlich. Seit Gründung der LNVG sind rund fünf Milliarden Euro für Investitionen in Busse, Bahnen, Züge, Stationen, Strecken, Betriebshöfe und andere technische Anlagen geflossen.
Zahl der Bahnhöfe gestiegen
Im Jahr 1996 gab es in Niedersachsen 372 Bahnhalte. Im vergangenen Jahr waren es 382 Verkehrsstationen also ein Plus von zehn. Wie viel Einsatz die LNVG, der Regionalverband Braunschweig und die Region Hannover für neue Bahnhöfe geleistet haben, zeigen zwei andere Zahlen: Seit 1996 wurden 17 im Land Stationen aufgegeben. Dem stehen 27 zusätzliche Stationen gegenüber. Für das Jahr 2026 die Eröffnung von fünf weiteren Stationen geplant: Adendorf, Bunde, Ihrhove, Kirchlinteln und Neermoor.
Ein Teil der Maßnahmen wurde durch die LNVG als Auftraggeber für den Schienenpersonennahverkehr angestoßen und ganz oder teilweise finanziert Andere Maßnahmen wurden durch die LNVG als Finanzierungs- bzw. Bewilligungsbehörde des Landes umgesetzt.
Einfacher mitfahren – Tarif vereinfacht
2013 ging der Niedersachsentarif an den Start, der auch für Fahrten nach Bremen und Hamburg gilt. Seitdem gibt es in diesen Ländern einen einheitlichen kundenfreundlichen Tarif für den Schienenpersonennahverkehr. Die LNVG ist größte Gesellschafterin der verantwortlichen Niedersachsentarif GmbH und hat die Einführung des Tarifs initiiert und maßgeblich vorbereitet. Unter anderem wurde erreicht, dass das Niedersachsen-Ticket in allen Bussen und Bahnen in Niedersachsen, Bremen und Hamburg gilt. Der FahrPlaner ist die landesweite Plattform für Fahrtauskünfte und soll es auch für den Ticketkauf werden. Mit der FahrPlaner-App kann künftig der Bestell- und Planungsprozess von On-Demand-Verkehren digital erfolgen.
Schneller am Ziel
Land Niedersachsen und LNVG haben in den vergangen 30 Jahren beim Bund und bei der Deutschen Bahn immer wieder für die Sanierung und den Ausbau von Nahverkehrsstrecken geworben und Ausbauten auch finanziell unterstützt. Mit den modernen Fahrzeugen, die die LNVG einsetzt, hat das für die Fahrgäste echte Zeitgewinne ergaben.
Drei Beispiele:
Die Fahrt mit dem Nahverkehr von Hannover nach Hamburg: Über Uelzen hat die Fahrt früher 2:54 Stunden gedauert, sind es heute 2:19 Stunden – Grund sind schnellere Fahrzeuge und eine Optimierung des Fahrplans.
Mit der Heidebahn waren Fahrgäste einst 3:34 Stunden zwischen Hannover und Hamburg Harburg unterwegs. Durch den Ausbau der Strecke und schnellere Triebzüge sind es heute nur noch 2:32 Stunden – fast eine Stunde schneller.
Hannover – Goslar: Schnellere Fahrzeuge und der Ausbau der Strecke haben die Fahrzeit von 1:37 Stunden auf 1:05 Stunden gedrückt – Fahrgäste sparen über eine halbe Stunde.
Die Fahrt mit dem Nahverkehr zwischen Oldenburg und Osnabrück dauerte früher 2:42 Stunden. Inzwischen wurde die Strecke ausgebaut, der Fahrplan optimiert und schnellere Fahrzeuge sind unterwegs. Die Fahrzeit ist so um 73 Minuten (oder 1:13 Stunden) gesunken, auf 1:29 Stunden.
Quelle: LNVG