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EK Dezember 2018

Eisenbahn-Kurier Dezember 2018

Die Januar-Ausgabe 2018 liegt für Sie ab 14. Dezember bei Ihrem Händler bereit

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Die Ericusbrücke in Hamburg

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Die Umgestaltung der Eisenbahnanlagen Hamburgs

In den letzten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts nahm der Verkehr auf den Eisenbahnverbindungen in Hamburg, der nach wie vor auf Straßenniveau abgewickelt wurde, immer weiter zu, so dass der Straßen- und Straßenbahnverkehr immer häufiger an zahlreichen geschlossenen Schranken warten musste.

ericusbruecke9Hochbetrieb am Berliner Bahnhof: Von links kommt eine Lok aus Richtung Berlin in Richtung Verbindungsbahn. Im Hintergrund ist ein Zug vom Hannoverschen Bahnhof zu sehen. Zwischen den beiden Strecken ist eine Straßenbahn unterwegs.

Im Zuge der Umgestaltung der Hamburger Eisenbahnanlagen wurde die Trennung des Güterverkers vom Personenverkehr beschlossen und eigene Güterbahnhöfe u.a. in Eidelstedt, Rothenburgsort, Wilhelmsburg und Harburg errichtet. Gleichzeitig wurde die Trasse der Verbindungsbahn auf einen Damm verlegt, so dass der Straßenverkehr ungehindert fliessen konnte. Im Zuge dieser Umgestaltung wurde auch der Bau eines zentralen Hauptbahnhofs beschlossen, der 1906 seinen Betrieb aufnahm. Vom Hauptbahnhof aus wurde eine direkte Schienenverbindung zur Norderelbbrücke vorgesehen, die in Form einer neuen zweistöckigen und mit vier Gleissträngen ausgestatteten neuen Oberhafenbrücke sowie einer anschließenden „Pfeilerbahn“ realisiert wurde. Nun konnten aus Harburg eintreffende Personenzüge direkt den Hauptbahnhof erreichen und von hier unmittelbar auf der Verbindungsbahn nach Altona weiterfahren. Mit der Inbetriebnahme des Hauptbahnhofes verloren die Kopfbahnhöfe und der Klosterthorbahnhof ihre Bedeutung und wurden teilweise abgetragen. Der Hannoversche Bahnhof diente noch dem Sonderzugverkehr und bis zum zweiten Weltkrieg dem Stückgutverkehr. 

1966Die Ericusbrücke vor ca. 40 Jahren. Glücklicherweise präsentiert sie sich heute noch im fast gleichen Zustand. Im Hintergrund die prächtige Speicherstadtkulisse am Brooktorkai. Rechts im Bild das Abfertigungsgebäude vom Zollamt Brooktor, das bereits Geschichte ist.

Ericusbruecke2Die Ericusbrücke heute. Die blaue Halle rechts im Hintergrund befindet sich nahezu in der Position des ehemaligen Hannoverschen Bahnhofs.

 

ericusbruecke3Eines der beiden markanten Stützräder der Ericusbrücke.

Die Ericusbrücke heute

Mit der Inbetriebnahme der Oberhafenbrücke im Jahre 1906 verlor die Ericusbrücke schlagartig ihre Bedeutung. Schon zwei Jahre später wurde ihr Gleis ausgebaut und die Brücke diente danach nur noch im Verlauf der Lohsestraße dem örtlichen Straßenverkehr. Bis 1948 bestand noch die Möglichkeit, die Brücke zu drehen, um größere Schiffe durchzulassen, danach wurde sie festgesetzt.

Gegenwärtig wird sie einer Renovierung unterzogen und kann alsbald ihr neues Leben als Fußgängerbrücke zwischen den Neubauten am Ericus/Brooktor und dem neuen, im Bau befindlichen Elbtorquartier am Lohseplatz fortsetzen. 

Der Vollständigkeit halber sei noch erwähnt, dass eine nahezu baugleiche Brücke bis zum Ende des zweiten Weltkrieges noch unmittelbar neben dem heutigen Maritimen Museum (ehemals Kaispeicher B) über den Magdeburger Hafen vorhanden war, die danach durch die heutige Magdeburger Brücke ersetzt worden ist.

 

Text und Fotos: Dierk Lawrenz