> 38 1182

News vom 19.3.2007


38 1182 wieder in Gera – geplante Aufarbeitung gerät ins Zwielicht

(JUt/AM) Am 16. Februar wurde die im Eigentum des DB-Museums befindliche 38 1182 (Schwartzkopff 1910/4485) von Arnstadt nach Gera überführt. Sie wird künftig als Leihgabe von „Railworld Gera e. V.“ (www.railworld-gera.de) gepflegt. Die Eisenbahnfreunde werben nun um Spenden für ihre betriebsfähige Aufarbeitung.
Als nicht betriebsfähige Traditionslokomotive gelangte 38 1182 – seit dem 1. Juli 1969 abgestellt – am 16. August 1971 zum Bestand des Verkehrsmuseums Dresden. 1982 wurde sie im Raw Meiningen wieder betriebsfähig aufgearbeitet und bis 1992 von der DR im Bw Gera betreut. Seit August 1992 war sie im Traditions-Bw Arnstadt/hist. beheimatet. Im Jahr 1995 erhielt sie im Werk Meiningen ihre letzte Untersuchung, 1999 wurde sie nach Ablauf der Kesselfrist abgestellt. Das DB-Museum hat nun genehmigt, dass die P 8 nach Gera zurückkommt. Die dortigen Vereinsmitglieder wollen die Lok als Zugpferd für die Marke „Stadt Gera“ im Dampflokwerk Meiningen flottmachen lassen.

In der Ostthüringer Zeitung vom 17. März 2007 erschien dazu folgender Beitrag:

„Kohle“ für die Oma

Railworld sammelt Spenden für Museums-Dampflok – entgegen einer Vereinbarung Von Uwe Müller Gera. Die Herzen der Eisenbahnfreunde schlugen höher, als die preußische Dampflok Nr. 381182 im Bahnbetriebswerk Gera, ihrer alten Heimat, eintraf. Bei der Railworld Entwicklungsgesellschaft verbindet sich damit die Hoffnung, dass sich nicht nur die Herzen, sondern auch die Geldbeutel öffnen, damit die 97 Jahre alte Lok wieder unter Dampf gesetzt werden kann. Mehrere tausend Euro sind nötig, da wird auf Spenden gehofft, um das Signal auf Grün zu stellen für die Museumslokomotive. „Jede Zuwendung mit dem Verwendungszweck ´P 8 - 381182´ wird für die Aufarbeitung und die daraufhin folgenden Fahrten der preußischen P 8 verwendet“, versichert die Railworld-Entwicklungsgesellschaft.

Doch genau das ist der Knackpunkt. Denn in einer Vereinbarung mit dem DB Museum Nürnberg, das der Railworld die Dampflok als Leihgabe überstellte, ist geregelt, dass die „Oma“ nicht aufgearbeitet werden darf – und damit die Spendeneinsammelaktion in ein dubioses Licht gerät. Ingo Priegnitz, für Kommunikation im DB Museum Nürnberg zuständig, bestätigt Informationen unserer Zeitung. „Eine betriebsfähige Aufarbeitung der Dampflok ist ausgeschlossen.“ Und damit lässt sich das Versprechen der Railworld, mit den Spenden die „Oma“ wieder in Fahrt zu setzen, gar nicht einhalten. „Wenn die Lok wieder unter Dampf kommen soll, müssten Ersatzteile beschafft werden. Originalteile gibt es nicht mehr“, erläutert Priegnitz. Wenn Teile nachgebaut werden, würde das „Dampfross“ seinen Status als Museumslok verlieren – und das ist nicht im Sinne des Leihgebers, des Verkehrsmuseums Nürnberg.

Bei Railworld Gera verweist Frank Greßler, einer der beiden Geschäftsführenden Gesellschafter der Entwicklungsgesellschaft, darauf, dass ein Vertrag mit der Deutschen Bahn AG zu besagter Dampflok in Vorbereitung sei. Es gibt aber schon die Vereinbarung mit dem DB Museum in Nürnberg, doch was darin steht, das war Greßler gestern nicht gegenwärtig.

Die Visionäre der Eisenbahnerlebniswelt halten seit einem Jahr die interessierte Öffentlichkeit am Staunen mit inflationären Besuchererwartungen und atemberaubenden Investitionssummen: Immerhin wollen sie ins privat finanzierte Projekt mehr als das anderthalbfache Geldvolumen stecken, das in die Bundesgartenschau fließt – aber in der halben Zeit. Auf dem Papier steht bereits ein Unternehmensgeflecht mit acht GmbH und einem Verein, das von der Entwicklungsgesellschaft bis zum Hotelbetrieb und zur Modellbahn das Reich der Eisenbahnerlebniswelt verwalten soll.

Überzogene Prognosen der Railworld auf ein machbares Maß herunterzurechnen, damit beschäftigt sich die Wenzel Consulting AG in Hamburg. „Die Erwartungen sind sehr optimistisch gewesen“, formuliert es Silke Petzold in kritischer Loyalität zum Auftraggeber und zum Standort Gera. Die konzeptionellen Anregungen, die das Beratungsunternehmen gibt, würden bei Railworld angenommen, in Kürze soll an einem Businessplan die Arbeit beginnen. „Wir rennen da offene Türen ein“, beschreibt Frau Petzold das Arbeitsklima.

Die Stadt Gera hält an Railworld als „Leitprojekt für die Zeit nach der Buga“ fest. Bereits voriges Jahr war ein entsprechender Grundsatzbeschluss gefasst worden. Monatlich gäbe es eine Beratung der städtischen Wirtschaftsförderung mit der Railworld, in die künftig auch das Referat Öffentlichkeitsarbeit/Marketing der Stadtverwaltung und der Tourismusverein einbezogen werden sollen. Der Grundstückserwerb für Railworld – ausrangierte Bahnflächen in der Innenstadt – soll bis Jahresende geklärt sein. Außerdem soll ein Verkehrskonzept vorgelegt werden, Prognosen über Verkehrsströme will das Stadtplanungsamt im Frühsommer erstellt haben. Was im Vertrag mit dem Eisenbahnmuseum Nürnberg steht, das habe ich jetzt nicht im Kopf.

Frank Greßler, Geschäftsführender Gesellschafter der Railworld-Entwicklungsgesellschaft Gera

 


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